*The Artist Formerly Known As The Artist

Juni 29, 2012

20 Jahre ist es her das der Musiker Prince im Kampf gegen einen Knebelvertrag mit dem Plattenmulti Warner Bros. Records seinen Namen gegen das Kürzel „TAFKAP „(the artist formerly known as Prince) eintauschte und sich bei Konzerten konsequenterweise gleich das Wort „Slave“ aufs Gesicht schrieb. Hier folgt:

Manfred Kirschner
*The Artist Formerly Known As The Artist 

Ausstellungseröffnung am Freitag, 29.Juni 2012 um 20h
Ausstellung vom 29.06.12 bis 15.07.12
Finissage am Freitag, 13.07.2012 um 20h
geöffnet Sa und So von 16 bis 20h und auf Anfrage 

Kulturpalast Wedding International
Freienwalder Str. 20
13359 Berlin-Wedding
info@kulturpalastwedding.com
http://www.kulturpalastwedding.com
Tel: +49(0 )179/2154847

Mit der künstlerischen Strategie ist es so eine Sache. Hat man keine ist es nicht schlimm, aber besser ist man hat eine. Während künstlerische Karrieren und damit verbundener ökonomischer Erfolg meist Ergebnisse langfristiger strategischer Planungen sind, in denen das einzelne Werk zu Lätta im Gesamtsortiment Pflanzenmargarine degradiert wird, entsteht Kunst einfach so, unplanbar und notfalls ohne Einverständnis des Künstlers.  Er kann ausführen und abgehen. Der Abgang des Künstlers bedeutet die Befreiung des Kunstwerks aus einem honorierbaren Werkbegriff und bietet alle Chancen für einen Neustart des Künstlers als Künstler. The Artist formerly known as the artist.

Manfred Kirschners Strategie besteht darin die maximale Fallhöhe zwischen dem Künstler-Ich-Design und dem unkalkulierbaren Restrisiko Kunst genüsslich auszukosten und zu seiner eigenen zu machen. Humorvoll, multimedial und ungesichert zelebriert Kirschner das gefühlte Sterben des Künstlers pro entstandenem Kunstwerk.

Im Kulturpalast Wedding präsentiert Manfred Kirschner neben einer  collagierten Serie von Landschaftsportraits (Bergketten mit Glitzeraugen) neue raumgreifende Kunsttheorieuntersetzer, pastos gezeichnete Häkeldecken, Handarbeiten in nachgeahmter Handarbeitstradition, die in doppelter Degradierung auch noch zu betreten sind. Sie stehen für ein direktes Gespräch, das Kirschner über seine Arbeiten mit dem Betrachter führt. Dabei treten anheimelnde Sujets wie Häkeldecken und Wohlfühlmaterialien wie Glitter und Glanz dem Betrachter zu nahe und fordern seine direkte Positionierung und Antwort ein. Wem das zu anstrengend ist,  der kann sich aus Kirschners exzellenter Wunderkammer der selbstreflexiven Bildüberschriften bedienen: „You are so ugly, you must be a modern art peace! “

Der empathische Betrachter kann mitleiden und sich ins gemachte Bett legen – die Gesamtinstallation im Kulturpalast Wedding entpuppt sich als prekäres Wohnangebot für Rucksackreisende und Übergangsmieter. Das Künstlerbett als allerletztes Angebot an den Betrachter, eine distanzlose Aufforderung zu Anteilnahme und Anzahlung. Statt Rentiere sieht der Benutzer ein Bild von einem Berg. Es ist der Berg für alle Filme: der Paramount. Über dem Gipfel steht, adrett verschnörkelt: „Kunst ist Scheiße“. Aber eine schöne, in der man wohnen kann und (wenn man Künstler ist) auch muss. Reservierungen werden entgegengenommen: http://www.airbnb.de/rooms/550449

Manfred Kirschner, 1967 in Bremen geboren, beendete 1997 als Meisterschüler von Prof. Rolf Thiele sein Studium an der Hochschule für Künste in Bremen. Nach vielen internationalen Ausstellungen und Stipendien gründete er 2006 die Galerie Crystal Ball in Berlin-Kreuzberg. The Artist Formerly Known As The Artist ist Manfred Kirschners dritte Einzelausstellung im Kulturpalast Wedding.

→ Weitere Arbeiten von Manfred Kirschner gibt es hier.

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