*unfuck yourself

November 30, 2012

Der Würfel ist im Computertomographen und gesteht nichts. Wir zeigen etwas anderes:

Chantal Labinski
*UNFUCK YOURSELF
works on paper 2007-2012

Die Ausstellung wird kuratiert von Bernd Böhlendorf

Eröffnung am Freitag, 30.11.2012 um 20 Uhr
mit RED HOT SOUP KANOODLES + EXO TIKI OPEN END

Ausstellung vom 30.11.2012 bis 09.12.2012
Finissage am Sonntag, 09.12.2012 ab 16 Uhr
geöffnet FR / SA / SO von 16 – 20 Uhr u.n.V.
Was bleibt sind Löcher.

Es ist alles gemalt und alles gesagt. Und alles landet bei Chantal Labinski in einer Kiste: Fotos, Zeitungsausschnitte, Bilder, Schlagworte und Satzfetzen. Beizeiten verarbeitet die Künstlerin die Schnipsel „in Selbstkontrolle und zur reinen Gedankenerforschung“ zu Serien, die sie in Bücher und in ein umfangreiches Bild- und Textarchiv einfließen lässt. Mit UNFUCK YOURSELF präsentiert der Kulturpalast Wedding im November eine dieser tagebuchartigen Serien aus gezeichneten, mit Airbush-Tinte übermalten und collagierten Papierarbeiten zur allgemeinen Lage. Die ist bei Chantal Labinski sehr persönlich:

Hippie- Frisur- Papst mit Maria: MAMA I HAVE TO CONFESS SOMETHING.. MARIA : TOO LATE NOW – STRAIGHT TO BED!

Trotz des vertraulichen Tons handelt es sich bei den Arbeiten der Künstlerin um mehr als eine Peepshow aus dem päpstlichen Oberstübchen. Die Künstlerin, Halb-Hawaiianerin und zwischen den Kontinenten driftend, arbeitet an einer neuen Weltordnung der Dinge und besetzt die einzige Position die es für Künstler zu vergeben gibt mit Vehemenz: ihre eigene.
In ihren Arbeiten, geht es um eine Infragestellung und Neuordnung von Wissen, Werten und allen Klarheiten oder um die „heilende Kraft der inspirativen Idiotie zur Zähmung der Katastrophen durch Addition luxuriös schöner Frauen“. Wie schon beim Titel verschieben sich auch in den Blättern der Serie UNFUCK YOURSELF alle Ebenen. Bild und Text unterlaufen durch Umkehrung, Ineffizienz und Überhöflichkeit die Erwartungshaltung des Betrachters. Die Bilder richten sich erst an zweiter Stelle an diesen, sondern stehen als Notizzettel einer künstlerischen Selbstbehauptung zuerst für sich selbst. Darüberhinaus sind sie Bestandteile eines übergeordneten Plans: einer „Enzyklopädie einfacher und wirksamer Methoden zur ganz privaten Überwindung eines explodierenden Weltwahnsinns“. Dieses Wissen und den Glauben an die Wirksamkeit der Methoden stellt uns die Künstlerin zur Verfügung. Das ist überhöflich, eventuell ineffizient und vor allem politisch.

Grundtenor der meisten künstlerischen Arbeiten von Chantal Labinski ist Einmischung durch Aneignung. MEINS, MEINS, MEINS stand bereits 1995 in den Fenstern des von Schließung bedrohten Atelierhauses Apparat in Berlin. Ein kleines besitzanzeigendes Fürwort als Beschreibung der größeren Lage und eine Sichtbarmachung des unsichtbaren Freiraums-  im weiteren LOCH genannt. LÖCHER DENKEN ist eine Aneignungsstrategie der Künstlerin, die seit einigen Jahren technisch-nützlich erscheinende Blechschilder ungefragt an Hauswände und Mauern montiert. Zu sehen sind konkret-antikonkrete Zeichen oder die geprägte Aufschrift UNIVERSAL-LOCH. Um die Blechschilder herum sind die Hausfassaden mittlerweile renoviert und neu verputzt- das UNIVERSAL-LOCH ist geblieben. Was man denken kann wird wahr.

Chantal Labinski lebt in London und Berlin. Sie studierte Freie Kunst in Kiel, Liverpool und an der HdK Berlin. Die Ausstellung UNFUCK YOURSELF ist ihre erste Ausstellung im Kulturpalast Wedding. Mehr Arbeiten der Künstlerin gibt’s unter www.binski.net.



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