*Alltag im Chaos

August 7, 2013

Flyer Kulturpalast_Tacheles_vorn klein

*Alltag im Chaos
Das Tacheles im Kulturpalast

Eine Ausstellung von Andreas Rost (Fotos)
und Klaus Tuschen (Film)

Eröffnung am Freitag, 30.08.2013 um 20 Uhr
Filmpräsentation ab 21 h / open air
Ausstellung vom 30.08.2103 – 08.09.2013
Geöffnet Fr/ Sa /So von 16- 20 Uhr, u.n.V.

„Die Ideale sind ruiniert. Rettet die Ruine!“

Der einleitende Satz stammt von einer Künstlerin aus dem Tacheles und steht auf der Rückseite des Bildbandes TACHELES / ALLTAG IM CHAOS von Andreas Rost. Nun hat die Rettung der Ruine im Fall Tacheles leider nicht geklappt und Ruinen sind spätestens seit dem Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche oder bereits seit der Fertigstellung des Schlosses auf der Pfaueninsel im Jahr 1797 keinen weiteren stadtplanerischen Gedanken wert. Mit den romantischen Steinhaufen werden auch Stadtgeschichten, Lebensgeschichten und Lebenswerke entsorgt. Die Zeugen der kollektiven Vergangenheit werden den Investitionen zugunsten Einzelner geopfert. Die Ruine in ihrem Zustand des NICHT MEHR und NOCH NICHT ist gleichzeitig auch ein Ort für Visionäre, Träumer und Kunstproduzenten, einem Personenkreis, dem das Zeitlose und Unfertige als Grundlage und Bedingung für die eigene Arbeit vertraut sind. Nun haben auch die KünstlerInnen des Tacheles ihre Ruine verloren und konkurrieren mit dem Rest der Berliner Kunstszene um die letzten verbliebenen Zwischenorte. Da die Arbeit dieser Menschen zweifelsfrei eine gesellschaftliche Relevanz hat, zerstört die Gesellschaft mit den Ruinen auch ihre eigene künstlerische Substanz.

Beim Tacheles ging es von Anfang an um die Rettung einer Ruine. Der Fotograf Andreas Rost und der Filmer Klaus Tuschen waren in den Anfangstagen dabei, als Künstler und Aktivisten am 13.Februar 1990 die geplante Sprengung des ehemaligen Kaufhauses durch eine Hausbesetzung verhinderten. Beide begleiteten die Entwicklung des Hauses und ihrer Bewohner in den ersten Jahren mit Fotoapparat und Filmkamera. Die entstandenen Arbeiten zeugen von den schwierigen Anfangsjahren als „das Chaos versuchte sich selbst zu strukturieren.“ Hausinterne Grabenkämpfe gefährdeten von innen heraus das Projekt; Polizei, Verwaltung und rechte Schläger von aussen. Tuschen und Rost blieben gegen alle Bedenken und Einwände dicht bei den Künstlern und Besetzern. Sie filmten, fotografierten und befragten jeden Einzelnen. Herausgekommen ist ein berührendes Soziogramm aus einer Zeit, in der alles möglich schien und es in Berlin zeitgleich zwei regierende Bürgermeister gab, die auch nicht genau wussten wie es weitergeht. Zugleich ist es die Bestandsaufnahme eines Hauses, das für viele zur Heimat wurde und dessen Bewohner mit ihren Ideen, Lebensträumen und Interventionen maßgeblich zur internationalen Strahlkraft dieser Stadt beigetragen haben.

Im Kulturpalast Wedding zeigt Andreas Rost eine Reihe von Portraits aus seinem 1992 veröffentlichten Tacheles- Bildband, die er mit Originalzitaten der portraitierten Künstler multimedial kombiniert. Der zwischen 1990 und 1991 entstandene Dokumentarfilm „Aufgestanden in Ruinen“ von Klaus Tuschen wird am Freitag ab 21 Uhr open air im Hinterhof des Kulturpalastes in den Backsteinruinen gezeigt. Rettet auch diese!

Kunsthaus Tacheles_Klaus Tuschen_Kulturpalast_Wedding_International_.pngBildschirmfoto 2016-04-25 um 23.59.18
Trailer *Aufgestanden in Ruinen, Dokumentarfilm von Klaus Tuschen, 1992-

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