*alles bewegt sich

Juli 1, 2017

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모두가 움직인다
alles bewegt sich

허윤희   Huh Yun-hee
주황      Joo Hwang
김옥선   Kim Oksun

Ausstellungseröffnung am Freitag, 14. Juli 2017 um 20 Uhr
Ausstellung vom 14.07.2017 bis 06.08.2017
Finissage am Sonntag, 06.08.2017 ab 17 Uhr

geöffnet: Sonnabend / Sonntag von 15 bis 19 Uhr / und nach Vereinbarung
opening hours:  Sat / Sun 3 pm- 7 pm /  and by agreement

Kulturpalast Wedding International
Freienwalder Str. 20
13359 Berlin – Wedding
http://www.kulturpalastwedding.com

Während alle diskutieren : Flughäfen, Schiffbrüchige, Kakteen ; Zeichnung, Fotografie und Video. Kulturpalast Wedding International präsentiert Arbeiten von drei Künstlerinnen aus Südkorea. die sich auf den Weg gemacht haben. Joo Hwang, Kim Ok Sun und Huh Yun-hee werden in ihrer Heimat,und darüber hinaus, als Künstlerinnen sehr geschätzt und haben jeweils eine andere Sicht auf den Moment. Im Juli kommen sie zu uns und mischen sich ein:

„On The Move
Jeder ist unterwegs. In dem Moment wo wir uns auf den Weg machen, bewegt sich alles um uns herum und solange wir nicht irgendwo ankommen, gibt es kein Zurück. In ihrer Videoarbeit <Moving Walk II> (2017) beobachtet Joo Hwang durch eine Fensterscheibe ein Laufband für Passagiere am Seouler Flughafen Incheon. Das Video wird verlangsamt wiedergegeben, was die abgebildete Szenerie irreal erscheinen lässt. Wir sehen in einen Raucherbereich mit künstlichen Gräsern und Bäumen, im Hintergrund erscheinen geometrische architektonische Strukturen. Menschen rauchen, schauen in Telefone, chatten mit Freunden und ruhen sich aus. Der Betrachter fühlt einen kühlen Luftzug und die trockene Atmosphäre in der monotonen Szenerie und darf doch kein erzählerisches Spektakel erwarten. Lediglich eine Anreihung banaler Bilder zieht vor seinen Augen vorbei.
A „moving walk“ erinnert an ein Fließband, daß sich mit vorgegebener Geschwindigkeit einfach immer weiter bewegt. Charlie Chaplin zeigte in seinem Satirefilm „Modern Times“ (1936) einen Fabrikarbeiter in einer industrialisierten Gesellschaft, der von einem schnellen Förderband in die Zahnzwischenräume gigantischer Zahnräder getrieben wird. Im Vergleich dazu wirkt Joo Hwang`s`“Moving Walk“ entschleunigt. Durch die Verzögerung der Bilder wird die Wahrnehmung des Betrachters verändert. Während er gezwungen wird, die Trivialität der gezeigten Umgebung eingehend zu studieren, beschleicht ihn unter Umständen ein Verdacht. Bewegen wir uns eventuell auf der Stelle, ähnlich hüpfenden Nüssen und Schrauben auf einem Förderband, obwohl wir glauben vorwärts zu kommen? Das Laufband, das keinen mehr befördert, könnte auch eine Metapher für einen angeschlagenen Neoliberalismus sein, der die Zuspitzung ungleicher Einkommensverhältnisse verursacht und Ungleichheit globalisiert hat, in dem Kapital, Arbeit und Rohstoffe leicht austauschbar sind.

Kim Ok Sun hingegen, beobachtet das Leben von Familien und Wanderarbeitern, die ihre Heimat verlassen haben und sich vorübergehend in  Korea aufhalten. Für ihre beiden Fotografie- Projekte <No Direction Home> (2011) und <The Shining Things> (2014) dient Jeju Island als Kulisse, eine Insel die gleichzeitig ein beliebtes Urlaubsziel und ein wichtiger militärstrategischer Stützpunkt ist. Es ist zugleich der Ort, an den es den holländischen Seefahrer Hendrick Hamel nach einem Schiffbruch auf dem Weg nach Japan verschlug. <No Direction Home> (2011), ist eine fotografische Portraitreihe von Migranten, die auf auf der Suche nach Arbeit oder wegen einer Partnerschaft in Jeju gelandet sind. Das Projekt kann auch als eine Fortsetzung von Kim Ok Sung’s Serie <Hamel’s Boat> (2008) gesehen werden. Die Porträtierten werden an ihrem Arbeitsplatz oder in ihrer Wohnung abgelichtet, jedoch ist nicht ersichtlich woher sie kommen.
Eine Wanderarbeiterin scheint sich gut eingelebt zu haben und sitzt selbstbewusst vor der Kamera, eine andere sitzt etwas unbeholfen vor einer Wand mit einer Landkarte auf der Bettkante. In der Ecke liegt ein reisefertig gepackter Rucksack. Wo bei <No Direction Home> der Focus auf Menschen liegt, die zwischen hierbleiben und wieder fortgehen schwanken, richtet er sich bei <Shining Things> auf Palmen auf der Insel Jeju. Manche sind mit Unkraut umwickelt, d ie gezackten Blätter wie Flammen in den Himmel gereckt. In ihrer exotischen Anmutung prägen sie die Landschaft der Insel. Obwohl sie oft als einheimische Pflanzen angesehen werden, wurden sie eingeschleppt und stammen ursprünglich von einer südjapanischen Insel. Wie Menschen porträtiert Kim die Bäume, die sich in ihrer neuen Heimat niedergelassen haben. Sie strahlen eine selbstbewusste Präsenz aus, obwohl ihr Bestand infolge des Immobilienbooms auf der Insel stark gefährdet ist.

Eine weitere wichtige Position der Ausstellung besetzt Huh Yun-hee mit den Diptychen <Village> (2016) und <City> (2016), gezeichnet mit Holzkohle. Leinwandfüllende Schiffe sind zu sehen, eines im Tageslicht, das andere im Mondschein. Bilder, auf denen Wasser als Quelle des Lebens thematisiert wird, kennt man bereits aus Huh Yun-hee`s früheren Arbeiten, die sie während ihres Deutschlandaufenthaltes anfertigte. So trägt, erinnernd an Noahs Arche, ein Schiff ein Dorf auf einen Hügel, vollbeladen mit Einfamilienhäusern, Blumen und Kakteen. Letztere sind dafür bekannt auch in kargen Landstrichen überleben zu können und zu blühen. Auf einem weiteren Bild, gleich nebenan, erscheint ein grösserer Kaktus neben den Hochhäusern einer Stadt und Sternen, die den Nachthimmel erleuchten. Wo ist das Schiff? Was erwartet die Menschen?
Holzkohle, verbranntes Holz ist ein Material, das die Künstlerin immer wieder benutzt. Sie benutzt sie mit den Fingern, ohne weiteres Werkzeug, zeichnet, verwischt, legt Spuren, solange bis ein Werk seinen endgültigen Zustand erreicht hat. Aus dieser Vielzahl immer wiederkehrender Handlungen und Arbeitsschritte entstehen bei Huh Yun-hee zumeist riesige Wandgemälde, für die sie Tage benötigt und in denen die Spuren der Zeit sichtbar werden. Auf diese Weise wirft Huh Yun-hee’s Arbeit grundlegende Fragen über Leben und Tod, Augenblick und Ewigkeit auf. Diese Fragen führen sie dazu, den Momenten des Alltags einen zweiten Blick zu schenken und sie zu bewahren.

In ihrer Arbeit <Tagebuch> (2008) notierte sie ihre Gedanken neben Laubblättern, die sie auf ihrem täglichen Spaziergang in der Nachbarschaft sammelte und malte. Was können wir tun, außer zu leben und den Augenblick zu geniessen? Das Heute ist gefüllt mit Nachrichten, die sekündlich aktualisiert werden. Die Zukunft ist ungewiss. Die einzige Aussage die wir treffen können ist, daß jeder unterwegs ist, Tag für Tag.“

Text: Park Heejung / Seoul- Berlin, 2017

———————————————–english————————————————

„On The Move
Everyone is on the move. The moment we step onto a moving walk, everything surrounding us moves. There is no going back until we step out of it at the other end. Joo Hwang’s <moving walk II> (2017) is a video piece that recorded the scene outside the window next to a moving walk at Inchon International Airport. The video has been slowed down, which makes the scene somewhat out of sync with reality. With geometric architectural structures in the background, you see a smoking area artificially landscaped with grasses and trees where people smoke, look into their phones, chat with their friends, and take a break. You feel a chilly breeze and dry atmosphere in the monotonous scene with black screens appearing intermittently. You are not to expect any spectacle or narrative. A sequence of banal images flows slowly in front of your eyes.
A moving walk reminds me of an assembly line that continues to move at a given speed. Charlie Chaplin comically depicted a factory worker in an industrialized society in his satire film, <Modern Times>(1936). The main character played by Chaplin himself is force-fed by an accelerating conveyer belt and sucked up by immense cogwheels. On the contrary, Joo’s moving walk is decelerated. Decelerated images change a sense of perception. Viewers are forced to look at trivial landscapes they often overlook in everyday life. Although we seem to be moving forward, we may be just standing on a moving walk like nuts and bolts on an assembly line that are not aware of where they are headed. The moving walk whose operation is crippled may be a metaphor for crippled neoliberalism that has caused polarization of income distribution and inequality in a global condition where capital, labor, and commodities are readily replaceable.

Kim Ok Sun has been studying lives of multicultural families and migrant workers who have left home and temporarily settled in Korea. <No Direction Home>(2011) and <The Shining Things>(2014) are two projects whose backdrop is Jeju Island, a popular vacation destination and also an important military strategic point. It is also where Hendrick Hamel landed after a drift from a shipwreck on the way to Japan. <No Direction Home>(2011), a series of photographs of foreign migrants who have temporarily settled for personal reasons such marriage or employment. It may be considered a sequel to <Hamel’s Boat>(2008). The subjects pose in front of the camera at their workplace or at home where they spend most of their time. However, we have little clue as to where they are from. One subject seems to have become comfortable with sedentary culture and poses in front of the camera seated. Another is rather awkwardly sitting on an edge of a bed against a wall with a map. She seems to be on the verge of picking up a backpack in the corner of the room and leaving for another destination.

Where as <No Direction Home> focuses on the characters oscillating between settling and emigrating, <Shining Things> is a series of photographs of palm trees in Jeju Island. Sometimes, they are tangled up with weeds around them. Spiking leaves are shooting upwards like flames. They produce typical exotic Jeju landscapes. Although palm trees are often misconceived as native plants, they are alien species from an island off southern Japan. As if to take portraits of people, Kim photographs frontal views of the trees that have settled in the new land. They boast a strong presence, though their fate is uncertain with the overheated real estate boom.

We all move from one point to another. Hoe Yoon Hee’s diptych work, <Village>(2016) and <City>(2016) are charcoal drawings of a ship that occupies such point. A ship fills the canvas, one in daylight and the other in moonlight. Images of water symbolizing a source of life appear repeatedly from her earlier works she drew in Germany. Like Noah’s Ark, a ship carries a village on a hill packed with single-story houses along with flowers and cacti. Cactus is known to blossom even on a barren land. An image of an even bigger cactus fills the canvas amongst high-rises in a city. There are stars that illuminate the night sky. Where is the ship headed? What awaits them?
Charcoal, burnt wood is a material the artist repeatedly use. She draws with her fingers without any other tool. She draws, erases, and builds up traces to create a final piece. Sometimes, such repetitive acts end up as a huge mural. The mural that she takes days to draw would disappear without a trace. Her work raises fundamental questions on life and death, and moment and eternity. These questions lead her to preserve moments in everyday life. Her work <Diary>(2008> recorded her thoughts along with leaves that she collected on her daily walk in the neighborhood. What are we to do except to live and feel every moment. Today is filled with news updated every second. Tomorrow is only an uncertain future. Only assertion we can make is that “everyone is on the move, day in and day out.”

Text: Park Heejung / Seoul- Berlin, 2017

 

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